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Es kann jeden treffen!

 

Dienstag, 31.01.2012

Rudi Assauer (67) ist laut Medienberichten vom heutigen Tag an Alzheimer Demenz erkrankt.
Rudi Assauer hat frühzeitig reagiert und seine häufigen Black outs zum Anlass genommen der Ursache auf den Grund zu gehen. Bereits 2010 hatte er sich in einer Memory Klinik untersuchen lassen. Dort wurde auch die Diagnose Alzheimer Demenz gestellt.
„Warnzeichen frühzeitig erkennen und ernst nehmen ist der entscheidende Schritt für eine frühzeitige Diagnose und Behandlung“ so Gabriela Zander-Schneider, Vorsitzende der Alzheimer Selbsthilfe e.V. „Eine frühzeitige Therapie kann den Verlauf durchaus positiv beeinflussen und damit trotz der Diagnose Alzheimer ein erfülltes Leben ermöglichen.“

Die wichtigsten Warnzeichen in Stichworten:
1. Vergesslichkeit
2. Routineaufgaben bereiten Schwierigkeiten
3. Wortfindungsstörungen
4. Probleme bei örtlicher und zeitlicher Orientierung
5. Falsches Einschätzen von Situationen
6. Probleme beim abstrakten Denken
7. Verlegen von Gegenständen
8. Häufige Stimmungsschwankungen
9. Veränderungen der Persönlichkeit
10. Antriebsmangel


Wer bei sich oder einem einem Familienangehörigen mehrere der Warnzeichen über einen längeren Zeitraum beobachtet sollte zur Abklärung auf jeden Fall den Hausarzt aufsuchen. Er kann erste grundlegende Untersuchungen wie Tests usw. durchführen. Er kann aber auch abklären, ob es sich eventuell um eine andere behandelbare Erkrankung handelt, denn nicht immer muss es sich bei einzelnen vorgenannten Symptomen auch um Alzheimer handeln.
Im Bedarfsfall wird er zur weiteren Abklärung an einen Facharzt oder in eine Gedächtnisambulanz/Memory-Klinik überweisen.

In den nächsten Tagen mehr zum Thema Früherkennung, Diagnose, Therapie und Verlauf hier und auf www.alzheimer-selbsthilfe.de

 

 

 

Alzheimer – Was hilft gegen das Vergessen?

 

Donnerstag, 12.01.2012 um 17.55 Uhr /xenius.Arte TV.de

Nach neuesten Schätzungen sind weltweit 34 Millionen Menschen von Alzheimer, der häufigsten Art von Demenz, betroffen. In Deutschland und Frankreich leiden etwa 1,6 Prozent der Bevölkerung darunter. Tendenz steigend, denn die Menschen werden immer älter. “X:enius” zeigt, was Alzheimer wirklich bedeutet – und wie man trotz dieser Krankheit in Würde leben kann.

U.a. mit Gabriela Zander-Schneider in einem Beitrag über Früherkennung und Diagnose. Sehr gut recherchierter Beitrag. Von Caro Matzko und Gunnar Mergner sehr einfühlsam und mit viel Sachverstand dokumentiert.

 

 

 

Königin Silvia von Schweden

 

Seit über einem Jahrzehnt widme ich mich nun schon dem Thema Alzheimer und Demenz. Viel ist in dieser Zeit in Bewegung gekommen, vieles habe ich dazu gelernt und auf den Weg bringen können.

Viele Menschen haben meinen Weg gekreuzt. Mit zahlreichen Angehörigen stehe ich seit langer Zeit in engem Kontakt. Wir alle haben einen uns nahestehenden Menschen, der an Alzheimer Demenz erkrankt ist oder war. Und es ist in der Tat so, dass dieses Erleben uns einander näher bringt und verbindet.

Königin Silvia

Eine dieser Angehörigen ist Königin Silvia von Schweden. Auch ihre Mutter ist genau wie meine an den Folgen der Alzheimer Demenz verstorben. Auch uns beide verbindet dieses Erlebte. Und so setzen wir uns beide dafür ein, dass für Betroffene und ihre Angehörigen das Leben trotz dieser Erkrankung lebenswert bleibt

© G. Zander-Schneider, Januar 2012

 

 

 

Leit- oder Leidgedanken?

 

Es war kurz vor Weihnachten. In einem Senioren- und Pflegeheim, das unter der Leitung der ortsansässigen katholischen Kirchengemeinde damit warb, sich ganz dem Wohl seiner Bewohner zu widmen.
Helles Neonlicht fiel durch die Fenster des Hauses auf die Einfahrt. Es war Nachmittag an diesem 3. Adventssonntag und es war bereits dunkel.
Vorweihnachtlich geschmückt war der Eingangsbereich. Typisch halt wie man es kennt aus vielen katholischen Kirchengemeinden. Vorwiegend selbst gebastelt und immer ein wenig so, dass man ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn man es mit der eigenen üppigen Weihnachtsdekoration zu Hause hatte, vergleicht.

Der Eindruck entstand, dass man hier bemüht war, den alten, kranken und hilfsbedürftigen Menschen eine behagliche Atmosphäre zu gestalten. Die Mittel waren beschränkt, doch hier wurde getan was möglich war. Hier konnte man sich geborgen fühlen. Trotzdem…. Getreu dem Leitsatz der katholischen Kirche… Glaubte man.

Der gewöhnungsbedürftige Geruch, eine Mischung aus altem Mobiliar, Kantinenessen und, na ja sagen wir es ruhig: Urin! verdrängte den ersten Eindruck und ließ Zweifel an der Behaglichkeit aufkommen.
Die häufig gedroschene Phrase kam mir in den Sinn: „Vielleicht empfinden es die alten Menschen ja nicht so.“
Vielleicht? Vermutlich ist es ja alles anders, wenn man erst einmal hier ist. Dann ist man möglicherweise froh, dass man sich Mühe gibt mit der Dekoration, dem selbstgebastelten Schmuck, dem endlos dudelnden „Stille Nacht“ und „Ihr Kinderlein kommet.“ Die Weihnachtsmusik, die morgens eingeschaltet und pünktlich um 17 Uhr wieder abgestellt wird.

Wieso sollten die Menschen darüber froh sein die letzten Jahre ihres Lebens so zu verbringen? Vor ihrer Zeit in dieser Einrichtung hatten die Bewohner doch auch ihr Zuhause liebevoll geschmückt. Das Zuhause, das man aufgelöst hatte, weil es doch soviel besser ist für sie hier im Heim. Weil sie doch da unter sich sind, weil man sich hier doch intensiv um sie kümmert.. Wo doch hier jede Woche eine Messe abgehalten wird. Und ……?

An diesem Spätnachmittag kurz vor Weihnachten also waren nur wenige Menschen in dem geschmückten zugigen Eingangsbereich, denn es war 17 Uhr und Zeit zum „Abendessen“. Die Bewohner, die noch mehr oder weniger mobil den Speisesaal besuchen konnten, saßen bereits an ihren Tischen. Tische, die einladend gedeckt mit einer Papierserviette in der Mitte und darauf dekoriertem Strohstern den wahren Sinn des Weihnachtsfestes vermittelten. Also nicht verschwenderischer Prunk, unnötige Dekorationen. Sondern Innehalten und dankbar sein, dieses Weihnachtsfest noch erleben zu dürfen.

So „eindrucksvoll“ der Blick in den Speisesaal, der die hochtrabende Bezeichnung Restaurant trug, auch war, der Besuch in dieser Einrichtung galt eigentlich einer Frau, die aufgrund ihrer Demenz schon seit einiger Zeit hier lebte. Die Krankheit nahm ihren Lauf. Sie nahm ihr ihre Persönlichkeit, die Fröhlichkeit, ihre Lebensfreude. Sie war 76 Jahre alt. Sie konnte sich nicht mehr alleine bewegen, nicht mehr sprechen, nicht alleine essen oder trinken. Nur liegen.
Es war 17.15 Uhr an diesem Nachmittag. Auf der Station, wo vorwiegend Menschen mit fortgeschrittener Demenz aber auch hochaltrige Bewohner in pflegebedürftigem Zustand lebten, lagen alle Bewohner bereits im Bett. Der Vertreter des Pfarrers sei heute da gewesen, war zu hören. Er habe allen Bewohnern ein Geschenk gebracht. „Nette Geste“ dachte ich noch. Auch wenn der Pfarrer als Träger der Einrichtung sich selbst hier wohl nie sehen ließ.
Da fiel mein Blick auf den Nachtisch der schwerst pflegebedürftigen demenzkranken Frau. Es lagen eine Weihnachtskarte, eine Tafel Schokolade und ein kleines Stoffpäckchen darauf. Die Karte war ein Seriendruck mit Weihnachts-Wünschen der Pfarrei. Die Tafel Schokolade würde die schwerstkranke Frau niemals essen können. Vielleicht auch ein Glück bei dieser Billig-Marke. Das Stoffpäckchen allerdings war etwas ganz besonderes. Hier hatte man sich wirklich einmal Gedanken darüber gemacht, womit man einem sterbenskranken Menschen, eine Freude machen könnte. Es war eine knallrote Stoff-Einkaufstasche mit der Aufschrift „DER EINE TRAGE DES ANDEREN LAST“. Kein Zusatz, kein Hinweis vielleicht auf einen erklärenden Zusammenhang eines Bibelzitates. Nur dieser einzige Satz!
Nie werde ich diesen Anblick, diesen Schlag ins Gesicht schwerstkranker Menschen, diese unüberlegte Geschmacklosigkeit und die Mißachtung der Würde eines Menschen vergessen.

Damit dieses Erlebnis nicht im Verborgenen bleibt, habe ich es hier aufgeschrieben und veröffentlicht.

 

© G. Zander-Schneider, Dezember 2011

Gabriela Zander-Schneider
Sind Sie meine Tochter?

Sind Sie meine Tochter?

Leben mit meiner
alzheimerkranken Mutter

 

Gabriela Zander-Schneider

 

ISBN: 978-3-499-62189-5

3. Auflage
November 2011

Taschenbuch, 224 Seiten
EUR 8,99

VERA
VERA

Protokoll einer Vernichtung

 

Gabriela Zander-Schneider
Wolfgang J. Schneider

 

ISBN: 978-3-00-032858-9

Taschenbuch, 226 Seiten
EUR 12,95